Der CEO spricht: „EEE!“

Es ist Dramatisches geschehen bei unserem CEO: Am Sonntag, dem 4. Juli 2021 (Nationalfeiertag in den U.S.A.), wollte er Brot kaufen gehen und kam vollkommen verändert zurück und ohne Brot dazu. Er war – und ist – einfach nicht mehr der Alte, obwohl er, durchaus, gealtert ist über die gut sechs Dekaden seines irdischen Daseins; klar. Mental ist etwas geschehen. Dramatisches (s. o.). Es liege an einem Gewitter, das über der Stadt hing wie Blei, herumdonnerte und sagenhafte Wassermassen niedergehen ließ, sagt er, das habe bei ihm etwas ausgelöst. Gefilmt und fotografiert habe er es auch. Es muss mehr gewesen sein; etwas, was dem vorausgegangen ist. Verstockt, wie unser CEO – möglicherweise darin allen CEOs gleich – nun einmal ist, handelt er nun; konsequent.

Eine Konsequenz: Er kehre Facebook und dessen Produkten ein für alle Mal den Rücken. Der Konzern gehöre zu den digitalkapitalistischen ‚big five‘ … „Ende Gelände!“ Okay … die Abteilung ‚Strategie & Marketing‘ ist wenig glücklich über diese Entscheidung, wagt es jedoch in keiner Weise, dem CEO zu widersprechen. Bis zum 6. August [2021] würden die ‚Gangster‘ – so seine Worte -, bei denen er seit 01.01.2004 gewesen wäre, mit der endgültigen Löschung zögern, die er längst beschlossen habe und welche somit sofort erfolgen könn(t)e. Er äußere sich fortan ausschließlich auf Twitter – und hier. Die ‚PR-Abteilung‘ habe ihr O.K. gegeben. Nachforschungen dort haben zwar nur stummes Kopfschütteln ergeben, doch dem CEO ist es wohl bitterernst. Ob die 903 Freund*innen das toll fänden, wäre ihm völlig egal, sagt er, wirkt aber kurzzeitig etwas nachdenklich. Wer seinen klugen Gedanken folgen wolle, würde ihn finden.

Es ist unbestreitbar, dass hier eine tiefe Krise, vielleicht sogar eine Art Sinnkrise vorliegt, und das mitten in einer Pandemie, die ihrerseits als Krise betrachtet wird, obwohl sie ein bloßes Ereignis ist. Die Ratlosigkeit ist den Mitarbeiter*innen in die Körperhaltung geschrieben, doch die Festigkeit des Auftritts des CEO sorgt auf der anderen Seite für eine gewisse Beruhigung. Auch seine Partei könne ihn mal … (wir ersparen der/dem geneigten Blogleser*in Einzelheiten des heftigen verbalen Ausbruchs) … solange da solche Tanten (Anm. d. Red.: eine der übelsten Bezeichnungen für das weibliche Geschlecht, derer der CEO fähig ist) ihre Unaufgeräumtheit ganz im Stile des Weiberhelden an der Möchtegern-Spitze unangefochten ausleben könnten, wäre dort kein Platz mehr für ihn; und angedenk seines Alters wäre es damit wohl getan. Er habe die entsprechenden Rückzugskonsequenzen längst gezogen. So wie bei Facebook.

© VG Wort, 2021.

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